Du kennst bestimmt den Moment, in dem du sehr sehr sehr gerne die Schokolade/die Fertigpizza/die Gummibärchen oder die Currywurst mit Pommes essen würdest – aber dein schlechtes Gewissen wirft dir ein vorwurfsvollen Blick zu, mit dem es dich an deine guten Abnehm-Vorsätze erinnern will. Vielleicht hörst du dann nicht immer auf deine vernünftige Gewissensstimme, sondern eher auf deine Emotionen, die sagen „es schmeckt aber so gut“ und „die Belohnung hast du dir verdient“.  Wie können wir in diesen Momenten „stark“ sein ohne, dass es uns wahnsinnig viel Disziplin kostet?

Gestern habe ich dir erzählt wie du deine Motivation fürs Abnehmen findest. Dabei ging es darum positive und emotionale Gründe dafür zu finden, warum du abnehmen willst. Heute betrachten wir die ganze Sache mal von der emotionalen und negativen Seite.

There is an emotional side to everything we do, which we often try to ignore. (Anthony Robbins)

Ich gehöre definitiv zu den Menschen, die die emotionale Seite von Dingen einfach stummschalten wollen – und merke immer wieder, dass das eine sinnlose Mission ist.

Abnehmen ist emotional. Und deswegen ist das mit den Vorsätzen und der Disziplin auch nicht so easy. Das wichtigste dabei ist, nicht den Kopf in den Sand zu bohren, wenn man mal wieder zu viel von etwas gegessen hat, das man lieber vermieden hätte. Viel wichtiger ist es der Sache auf den Grund zu gehen. Was steckt denn dahinter?

Pain und pleasure

Spinoza und Descartes fanden das Konzept von pain (Schmerz, Leid) und pleasure (Freude, Genuss) als treibende Kräfte unseres Lebens sehr passend. Sie meinten damit, dass wir versuchen Schmerz zu vermeiden und Freude zu bekommen. Wir wollen also lieber vermeiden uns in die Joggingschuhe schmeißen zu müssen, weil Joggen anstregend und dadurch „schmerzhaft“ ist. Und auf der anderen Seite, wollen wir Freude bekommen und essen deswegen Dinge, die unser Belohnungszentrum im Gehirn ansprechen: sehr süße, salzige oder fettige Sachen wie Schokolade, Chips und Fastfood.

Eine Diät ist in der Regel schmerzhaft, weil wir Dinge aus unserem Leben streichen, die wir mögen. Das bedeutet Verlust. Und das findet unser biologisches System ziemlich uncool. Das strebt nach einer freudigen Erfahrung – nach Schokolade, also Zucker und Fett. Dass diese Dinge mit Freude verknüpft sind, liegt wohl an unserem Genen: hochkalorische Lebensmittel haben unsere Vorfahren vor dem Hungertod geschützt. Ziemlich unpraktische Programmierung in unserer westlichen Welt – woanders ist das traurigerweise aber immer noch von Vorteil.

Emotionen hindern uns am Abnehmen

Schmerz ist ein größerer Motivator als Freude

Es ist eine Frage des Fokus! In dem Moment, in dem die Schokolade vor dir liegt, denkst du daran, wie gut sie schmeckt und an den hormonellen Belohnungscocktail, den dein Gehirn veranlasst auszuschütten.

Was wäre, wenn du dich darauf fokussierst, wie du dich fühlen wirst, wenn du die Schokolade gegessen hast? Wirst du dir denken „yes, es hat sich gelohnt!“ oder dich eher mies fühlen, vielleicht sogar schämen? Wenn du die ganze Tafel oder sogar noch mehr essen würdest – wie würde sich dann dein Magen anfühlen? Wäre dir vielleicht sogar ein bisschen schlecht? Und weiter: würdest du einen „what-the-hell“ Moment haben und dir denken „jetzt ist es eh schon egal“ und noch mehr essen? Und wie sieht es morgen auf der Waage aus?

Oder allgemeiner gesagt: Wie wirst du dich fühlen, wenn du in 2 – 3 Jahren immer noch an dem Punkt stehst, an dem du heute bist?! Stell dir den Schmerz vor, wenn du in 3 Jahren immer noch kein Gewicht verloren hast! Fokussiere dich auf das ungute Gefühl, die Verzweiflung, weil du immer noch nichts verändert hast.

Schreibe dir 7 schmerzhafte Gründe auf, warum es nicht so bleiben kann wie es jetzt ist. Denke dabei an 2 Situationen:

  1. Was erträgst du an deiner jetzigen Situation nicht? Ist es der Rettungsring um deine Hüften, der dich zwingt nur bestimmte Hosen anzuziehen? Oder deine Bikinifigur und dass du deinen Bauch unschön findest, selbst wenn du ihn einziehst? Was ist heute im Bezug auf deine Figur frustrierend, anstrengend und vielleicht sogar zum Verzweifeln?
  2. Denke an dein Ich in 2 bis 3 Jahren. Wie wird es sich anfühlen, wenn du dann immer noch nichts verändert hast? Wenn du noch genauso aussiehst wie heute oder sogar zugenommen hast. Wie wird es dir mit dir selbst gehen, mit deiner Zufriedenheit und deiner Lebensfreude?

Gehe bei beiden Gedankensituationen ganz stark ins Detail und sei sehr präzise! Schreibe dir ganz starke Emotionen auf oder auch Situationen mit bestimmten Personen.

Die Macht des Fokus

Wenn du das nächste Mal vor der Schokolade stehst: worauf fokussierst du dich? Darauf wie gut sie schmecken wird? Dann hast du schon verloren!

Oder darauf wie schmerzhaft deine jetztige Situation ist, warum du hier nicht bleiben kannst und auf die Panik, die sich verbreitet, wenn du an dein Ich in 2  – 3 Jahren denkst, das immer noch nichts verändert hat. Glaub mir, wenn du dich in der Situation emotional an deine 7 Schmerzgründe erinnerst, wirst du gar keine Lust mehr auf die Schokolade haben. Empfinde die 7 Punkte nach, indem du dich erinnerst, warum du nicht hier bleiben kannst und stelle dir ganz bewusst die Situation vor, wenn du in 3 Jahren immer noch an demselben Punkt wie heute stehst.